Manche Kreationen des Couturiers Thierry Mugler, die in München zu sehen sind, erinnern an Hieronymus Bosch

Vor wenigen Wochen besuchte ich in München die Ausstellung über den Modedesigner Thierry Mugler in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung. Von Montréal (Musée des Beaux Arts) aus und nach einer Station in Rotterdam (Kunsthalle) öffnete die Münchner Ausstellung bereits Ende Mai 2020, sollte bis Ende des Monats August dauern und wurde bis Februar 2021 verlängert. Wer also wegen Corona die Schau noch nicht besichtigen konnte, hat nun einige Monate Zeit, das nachzuholen.

Sehenswert ist die Ausstellung sicherlich in erster Linie wegen den ausgefallenen Kreationen des Designers, die – abgesehen von den überraschenden Schnitten -, ungewöhnliche Materialien wie (Plexi-)Glas, PVC, Kunstpelz, Vinyl, Latex und Chrom zur Schau stellen und aufwendig von der Maison Mugler restauriert wurden. Korsagen aus Autoteilen, wie das Armaturenbrett oder die Kühlhaube berühmter Marken, und metallene Rüstungen mit umgekehrter Funktion eröffnen die Ausstellung.

Die vier Collagen sind aus Bildern von der Münchner Ausstellung erstellt und werden hier mit der freundlichen Genehmigung der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung veröffentlicht.

Die Schutzfunktion dieser historischen Bekleidung von Männern, die – um erotische Körperteile ausgeschnitten – auf zierliche Frauen übertragen wird, ist aufgehoben und in ihr Gegenteil verkehrt. Verletzend und gefährlich für die Trägerin wirkt die Bekleidung und ist es auch, wenn man der genauen Beschreibung des Outfits folgt und erfährt, dass ein dünnes Hemd unter der Rüstung angezogen wurde, um Verletzungen den Haut an den Schnittstellen zu vermeiden.

Dieser Beginn wird im Verlauf der Ausstellung wieder aufgenommen und ergänzt in Beispielen von Haute Couture mit Kristallelementen, Splitter, Federn, Schmiedearbeiten und Textil-Applikationen. Von Raum zu Raum findet eine Steigerung der phantasievollen Kleidungsstücke statt, die eher den Körper von berühmten Models zur Geltung bringen, als dass sie ihn verbergen. Zugleich bleibt der Schmerz eine Konstante, die Gefahr – bestehen, sich an dieser Kleidung beim Tragen oder beim sich Nähern zu verletzen.

Höhepunkt der Schau ist der letzte und große Raum, in dem Kleider inspiriert von der Pflanzen- und Insektenwelt ausgestellt sind. Spätestens jetzt wird der Besucher der Ausstellung an Bilder der Renaissance von Hieronymus Bosch (um 1450-1516) erinnert. Das vielleicht bekannteste Werk des Malers – das Triptychon „Der Garten der Lüste“ im Museo del Prado in Madrid – enthält die gleiche latente Gefahr für die nackten Seelen sich an spitzen und scharfen Elementen aus Natur und Kultur zu verletzen. Die riesigen, grotesken Pflanzen und Tiere, zwischen denen Menschen agieren, enthalten – wie bei Thierry Mugler die Modekreationen – das Element des schützenden und gleichzeitig gefährlichen Gehäuses. An mehreren Stellen in seinem postmodernen und im weitesten Sinne textilen Werk, scheint der Modeschöpfer die Fabelwesen des niederländischen Malers zu zitieren und mit den Zitaten die Blüte einer zweischneidigen Lebensfreude heraufzubeschwören.

https://bit.ly/3j4PQer

https://bit.ly/3i1evAs

Hier geht es zur Ausstellung der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München

In Zeiten der Coronakrise…

… bin ich nicht mehr dazugekommen, neue Beiträge zu erstellen. Es ist im Moment so viel in den sozialen Medien los und man hat alle Hände voll zu tun, um informiert zu bleiben. Es ändert sich viel in der digitalen Welt und die Neuerungen bei den Museen vor allem sind beträchtlich.

Ich habe eine Collage (1922) von László Moholy-Nagy (1895-1946), die mir interessant schien, von Wikimedia Commons kopiert. Ich habe nicht alle Informationen zu dem Bild, aber es ist offensichtlich zum Thema der deutschen Inflation von 1914 bis 1923 entstanden. Eine aufmerksame Betrachtung lohnt sich, um den Diskurs des Autors zu verfolgen.

Der Künstler hat auf einem schwarz-weißen Hintergrund Fragmente von wertlosem Papiergeld zusammengestellt. Die Worte „Mark“, „Milliarden“, „Tausend“, „ohne“, Million“, „Geld“, „Reichsba(nk)“und die Zahl „25“ sind deutlich erkennbar. Der Kopf und die Krallen eines Greifvogels (Adler?) treten in der oberen Hälfte zum Vorschein als eiziges figuratives Element. Sie überschneiden die schwarze Silhoutte eines Mannes mit Hut, der aus der unteren Hälfte des Bildes herauschgeschnitten und seitenverkehrt angebracht zu sein scheint. An der Schulter der weißen Figur – ein kleiner, grauer Vogel im freien Fall. Eine Architekturplastik in schwarz-weiß ergänzt in der rechten oberen Hälfte die geometrische Anordnung einiger Wörter. Es ist das einzige „Gewicht“ der Collage. Wie Flicken eines Kleidungsstücks bedecken die Fragmente mit der Zahl „25“ den Mantel des dunklen Mannes und fallen über die helle Silhoutte zum unteren Rand des Bildes. Die detaillose, schwarze Umrissfigur auf weißem Hintergrund bringt ein geheimnisvolles und zugleich bedrohliches Element in die Komposition. Ein Händler vielleicht auf dem Schwarzmarkt von damals? Auf jeden Fall bringt seine Position mit der Schwere oberhalb der leichteren, weißen (und zugleich leeren) Figur das Gleichgewicht des Ganzen ins Schwanken. Nichts scheint die Ausschnitte zusammen bringen zu können, nichts die Flüchtigkeit und damit die Unsicherheit in diesem Bild aufzuhalten.

Martin Engelbrecht (1684-1756) aus Augsburg

Das Buch über die Vorgänger der modernen Collage, das ich mir vor ein paar Wochen zugelegt habe, widmet eine lange Passage dem Unternehmer Martin Engelbrecht aus Augsburg, der mindestens 3375 Ausschneideblätter herausgebracht zu haben scheint.

„Die Tatsache, dass es bereits vereinzelte Ausschneidebilderbogen gab, war vielleicht der letzte Anstoss für ihn, Allerleibogen herauszugeben, von denen eine Folge ausdrücklich im Titel den erklärenden Hinweis trägt ’nach jetziger beliebter Art zum Ausschneiden dienlich‘. (Schott Nr. 3160-65). Thematisch sind sie schon in seiner umfangreichen Serie von Ornamentstichen vorgebildet, die Architekten, Gärtner, Ebenisten, Goldschmieden, Möbelmalern etc. als Vorlagen dienten und fleißig kopiert wurden. Man musste nur noch, wo es anging, diesen Übertragungsvorgang ausschalten – warum einen Reiter noch einmal abmalen, wenn er im Stich schon so schön wiedergegeben ist – und schon war der Ausschneidebogen zur Auszier geboren.“ (Metken 1978, S. 102)

Die Entstehung des Ausschneidebogens grenzt die Autorin zwischen 1719 und 1756 ein. Nach seinem Tod bestand die Firma noch bis 1827, doch wurden wahrscheinlich „vor allem die alten Blätter weiter aufgelegt“. (Metken 1978, S. 102)

Die Themen dieser kolorierter Bögen entsprachen dem Geschmack des Rokoko-Zeitalters und reichten von der Götterwelt der Barockoper über Berufsallegorien und Jagdszenen bis zur Architektur und Schäferszenen. (Metken 1978, S. 114-117)

Der obere Ausschneidebogen zeigt eine typische Idyllle der Rokoko-Zeit. Ein junger Mann auf einem Erdhügel spielt ein Jagdhorn, während sein Hund mit einem Schäfermädchen tanzt. Zahlreiche akkurat abgedruckte Schmetterlinge und Mücken bevölkern den Himmel und verkünden gleich der Baumwelt das Frühjahr.

Auf dem zweiten Bild sieht man Bauern bei der Arbeit rund ums Jahr. Holzfäller, Säer, Heuwagen, Getreidewagen, Obstlese sind säuberlich in kleinen Szenen geordnet und dienten vermutlich der Zierde verschiedener Möbelstücke.

Szenen einer vornehmen Gesellschaft in einem barocken Lustgarten zeigt der obere Bogen; der untere – Gestalten einer volkstümlichen Aufführung des Barock mit Pfingstensängern und den Heiligen Drei Königen.
Jagdszenen mit Windhunden, Hirsch und Reh, Fuchs und Hase sowie den Jägern mit Pferd bzw. mit Spürhund.
Die Arche Noah mitVogelpaaren, darunter auch Sträuße, Rind-, Hirsch-, Panther-, Dromedar-, Hasen-, Elefanten-, Bärenpaaren. Eine zeitgemäße Darstellung der Arche als Holzkonstruktion zwischen Boot und Haus, ein Hausboot des frühen 18. Jahrhunderts.
Ein ganzes Dorf wohl an einem Feiertag wurde hier abgebildet, wobei in der Mitte die Dorfkirche steht, zu der eine Prozession führt.
Die Schäferszene zeigt einen jungen Mann, der auf einer Querflöte für eine verträumte, lächelnde Schäferin spielt. Verschiedene Baumarten, Libellen, Vogel, Hund und Schafe heitern die Szene zusätzlich auf.

All diese Bilder schmückten Mobiliar und exotische Wunderkammern im Zeitalter des späten Barock und des Rokoko. Der sehr weite Themenspektrum eignete sich hervorragen dafür, die große weite Welt in den intimen Raum mit Kuriositäten einer Barockresidenz oder eines städtischen Appartements zu bringen.

Solche Arbeiten „haben allerdings die Zeit besonders selten überdauert“, schreibt Sigird Metken. „Vom ‚Indianischen Lackkabinett‘ in Schloss Brühl, das am 10. Oktober 1944 bei einem Bombenangriff zerstört wurde, ist wenigstens eine detaillierte Beschreibung erhalten. Kurfürst Clemens August von Köln, der Erbauer von Augustusburg, ließ die Hauptfelder der mit einem weißlackierten Kreidegrund überzogenen Lindenholztäfelung seines Exotenzimmers zwischen 1728 und 1730 mit einem heitren Klebeschmuck aus zerschnitzelten kolorierten Kupferstichen dekorieren. Nur die 24 Sockelfelder des Kabinetts wurden später mit Chinoiserien bemalt. Der Hauptanteil der aus Naturkundewerken, Ornamentstichfolgen und Einzelblättern geschnittenen Motive wurde dem 1705 in Amsterdam verlegten Kupferstichwerk Metamophosis insectorum Surinamensium der Maria Sibylla Merian (1647-1717) entnommen. (…) Auf dem spiegelnd weissen Untergrund erinnerten die fremdländischen und einheimischen Blumenbuketts, die Früchte, Schmetterlinge, Insekten, fliegenden Vögel und einige Chinesen an die gleichzeitig so geschätzten Lackmöbel und an europäische Porzellanmalereien, wie sie wenig später von Meißen aus Verbreitung finden sollten.“ (Metken 1978, S. 106)

Beginn der Collagen nach Ferien in Montréal 2016

Die Serie der Fotocollagen habe ich 2016 begonnen, nach einem zweiwöchigen Aufenthalt in Montréal. Ursprung war also die Erinnerungen so weit wie möglich wach zu halten. Dazu habe ich die Stellen zwischen den Fotofragmenten mit Aquarellstiften bunt bemalt und Texte aus Zeitungen aus Montréal darüber gedruckt. Die Serie habe ich nicht abgeschlossen, sie hat einen verstärkt privaten Charakter, die vielen Fotos warten auf Verarbeitung.

Die riesigen Mengen an Lebensmitteln in großen Geschäften haben mich sehr beeindruckt. Den kanadische Postkasten mit Aufschriften fand ich sehr anziehend. Die Zusammenstellung ist etwas gewagt und die einzelnen Motive passen nicht unbedingt zueinander. Ich wollte den Ablauf eines Tages dokumentieren und da kam viel zusammen. Einkäufe, Spaziergänge durch die Stadt, Essen – manchmal in großen, andermal kleinen Konditoreien.
Es gab in der Zeit meines Aufenthalts zwei wichtige Feiertage: Quebecs Nationalfeiertag am 24. Juni, dem Tag von Johannes der Täufer und der Nationalfeiertag Kanadas am 1. Juli. Es gab viele feierliche Veranstaltungen und ich hatte Spaß daran, die kleinen und großen Dekorationen zu fotografieren. Eine Parade durch das Zentrum der Stadt war am 24. Juni ein Höhepunkt der Veranstaltungen.
Geshoppt habe ich eigentlich wenig, weil ich kein ausreichendes Budget bereit hatte, um Geld auszugeben, aber ich habe mir manche Geschäfte angesehen und mich in den Schaufenstern gespiegelt. Ich kann heute diese Besuche nicht mehr zuordnen, aber ein Reisetagebuch hält das Wesentliche fest. Die Tage vergingen wie im Flug.
Der Atwater-Markt im Zentrum der Stadt hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Fülle an Produkte und die riesigen Mengen an Essen – egal was man eben verspeisen wollte – haben mich auch belustigt. Elegante Souvenir-Läden erinnerten an Frankreich und hatten doch eine eigene Note. Alles Produkte aus der Region, Handarbeiten, Lavendel-Erzeugnisse von Honig über Duftsäckchen bis zum Parfüm.
An einem Tag besuchte ich den Platz des Rathauses und spazierte anschließend im Hafen. Auf dem Rückweg erschloss Montréal seine wirklich nordamerikanische Skyline. Lebendig wie eine große Stadt in Europa und doch Wolkenkratzer der neuen Welt. Im Hafen ging ich an dem weltbekannten Cirque du Soleil entlang. Ein sehr großes Areal besetzten die Zelte und Wohnwagen dieser Artistentruppe.
Sicher spazierte ich an einem Tag durch das Wohnviertel reicher Bewohner von Montréal, Westmount. Sehr verschiedene Villenarchitektur, grüne Flächen, breite Straßen und vor allem keine Zäune. Ein Anliegen ging fast in ein nächstes über, viele Anlehnungen aus der viktorianischen Architektur, aber auch Anklänge der Moderne.
Ganz anders Little Italy, mitten in der Stadt mit den charakteristischen Reihenhäuser mit Aussentreppe. Sehr viel Farbenfreude und lebendiges Treiben in den Läden. Mehr Sinn als sonstwo auf der Insel für urbane Kunst und für unkonventionelle Wohnprojekte.

Immer wieder auch einen Blick in den Himmel über der Stadt – sehr hoch, sehr blau, erfrischend.

Zur Digitalisierung

Anfang der 2000er Jahre hatte ich das Glück in München an der Universität bei einem Professor zu studieren, der sich sehr für die Digitalisierung einsetzte und es heute noch tut. Ich habe lange Zeit damit gehadert und war auch nicht so entschlossen, mir diesen Bereich unseres Alltags anzueignen, muss aber im Nachhinein zugeben, dass es eine große Chance war, damit vertraut zu werden. Auch wenn ich es nicht wollte, ist vieles „hängen geblieben“ und ich kann heute wieder einsteigen, die Erneuerungen nachvollziehen, selber einiges dazu lernen.

Einen wichtigen Satz, den ich mir von meinem Doktorvater merkte, war, dass die Digitalisierung auch den analogen Raum voranbringt. Digital und analog schließen sich demzufolge nicht aus, sondern steigern sich gegenseitig. Diese Erfahrung habe ich von Anfang an gemacht und sehe heute auch meine Arbeiten in der Technik der Collage zum Teil als Folge der Auseinandersetzung mit der Digitalisierung. So oft und so viel ich zum Laptop und zum Internet zurückkehre, umso mehr zieht es mich dahin, mich mit konkretem Material, mit Bildern und Formen zu arbeiten.

Ich habe noch nie Collagen am Computer erprobt, aber die Leichtigkeit mit der man digital Bilder zersetzen, verändern, zusammenstellen kann, habe ich erfahren. Zugegebenermaßen fehlt mir dabei die Kontrolle über die Farben und Formen. So leicht, wie etwas auf dem Bildschirm entsteht, ist es auf der Leinwand oder auf Karton nicht. Der Widerstand der Dinge im analogen Raum ist mir bewusster und wichtiger geworden. Wahrscheinlich wäre ich ohne diese Erfahrung nicht auf den Gedanken gekommen Fotos in Collagen zu verarbeiten, das Ganze in Details zu zerlegen und die einzelnen Fragmente, wie eigenständige Blöcke zu betrachten und neu zusammen zu setzen.

Was ich in meinen Collagen erprobe, ist nicht das Fließende, Harmonische und Dekorative, sondern das Gegenständliche, der Bruch, das neue Zusammenspiel der Formen und Farben. Vielleicht lässt sich das auch im digitalen Raum erzielen oder etwas anderes, was von dieser Phase meiner Arbeit weiterführt. Mit Sicherheit werde ich es erproben, das Fragment, den Stilbruch in neue Erscheinungsformen zu bringen. Die Digitalisierung hat erst richtig angefangen und wartet darauf, neue Wege zu gehen auch oder vor allem mit Künstlern.

Architektur in Collagen

Im vergangenen Jahr habe ich eine Serie mit romanischer Architektur aus Köln in Collagen begonnen. Intressant schien mir, die einzelnen Elemente, die die Romanik ausmachen, aus dem Komplex zu nehmen und in anderer Zusammensetzung im Kontext zu lassen.

Zugleich wollte ich die Umgebung dieser Kirchen festhalten und habe mehrere Elemente aus der Nachbarschaft mit in die Collagen eingebaut. Ein Wochenmarkt mit vielen Blumen bei St. Aposteln, der Rhein bei St. Maria in Lyskirchen, der ehemalige Klosterhof bei Groß St. Martin.

Was man auf jeden Fall sehen kann, ist, dass die Romanik im Rückblick schwer zu Isolieren ist. Sie wurde von späteren Bauphasen verändert und coexistiert mit Gotik, Renaissance und Barock. Es sind spannende Dialoge zweischen Architekturelementen entstanden. Blendbogen, Rundbogenfries, Würfelkapitell, Vierpassfenster, Überfangbogen, Tonnengewölbe, Zwerggalerie und halbrunde Gurtbogen existieren zusammen mit Netzgewölbe, Spitzbogen und Kreuzrippengewölbe.

Die Erstellung der Collagen war eine Gelegenheit, mich an die Kölner Architektur der Romanik zu erinnern, die ich während meines Studiums der Kunstgeschichte an der Universität kennengelernt habe.

Groß St. Martin, Köln, 2019
St. Aposteln, Köln, 2019
St. Maria Lyskirchen, Köln 2019
St. Severin, Köln, 2019
St. Ursula, Köln, 2019

Für eine umfassende Führung durch die 12 romanischen Kirchen Kölns empfehle ich die App von Pausanio: https://pausanio.com/projekt/12-romanische-kirchen/


	

Deutsche Momentaufnahmen im Februar 2020

Der Alltag meiner Blogbeiträge wurden letzte Woche von zwei Ereignissen eingeholt, die einer Momentaufnahme bedürfen.

Das eine betrifft das Land Thüringen, das einen Ministerpräsidenten aus der FDP mit den Stimmen der AfD aufgestellt hat. Der Kandidat namens Thomas Kemmerich ist unter großem Protest von allen Seiten der demokratischen Gesellschaft ein Tag später zurückgetreten. Es werden mit großer Wahrscheinlichkeit Neuwahlen ausgeschrieben werden.

Wie diese Katastrophe zustande kommen konnte, ist mir ein Rätsel, trotz der zahlreichen Stellungnahmen von Politiker, die diesen Sachverhalt zu erklären versuchten. Ein Post auf Twitter von @HolgSimon schien mir interessant, weil es den historischen Aspekt beleuchtete: „Nahezu auf den Tag genau vor 90 Jahren wurde mit der Baum-Frick-Regierung in #Thüringen die erste deutsche Landesregierung unter Beteiligung der NSDAP gewählt. Wie geschichtsvergessen muss man sein. #WehretdenAnfaengen“. Den Post von @ralphruthe habe ich behalten, weil es in der Art der Cartoons eine Sprechblase mit einer Frage an die immer aktuelle IT-Abteilung veröffentlicht: „Hallo, IT-Abteilung? Was mache ich, wenn sich ein altes Programm von selbst wieder startet?“

Das zweite Ereignis ist das sich ausweitende Streitgespräch über die neue Museumsdefinition des ICOM.

Vor einigen Tagen, am 30. Januar 2020, fand in Berlin im Jüdischen Museum eine Debatte zur neuen Museumsdefinition des ICOM statt. Danach erschienen in verschiedenen Medien mehrere Beiträge zum Streitgespräch unter anderem in der FAZ von Patrick Bahners – https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/streit-um-den-museumsbegriff-im-weltverband-der-museen-16613815.html -, in der Die Welt von Marcus Wöller – https://www.welt.de/kultur/kunst/plus205570509/Bunkermentalitaet-Wie-die-deutschen-Museen-den-Anschluss-verlieren.html – und von Anabel Roque Rodríguez im Magazin von thurgaukultur.ch – https://www.thurgaukultur.ch/magazin/wozu-brauchen-wir-heute-noch-museen-4278.

Die alte und aktuelle Definition von Museum stammt von 2007, von der 22. Generalkonferenz des ICOM in Wien und lautet:

„A museum is a non-profit, permanent institution in the service of society and its development, open to the public, which acquires, conserves, researches, communicates and exhibits the tangible and intangible heritage of humanity and its environment for the purposes of education, study and enjoyment.“

Die neue Definition wurde im vergangenen Jahr 2019 in Kyoto (25. ICOM Generalkonferenz) und besagt:

„Museums are democratising, inclusive and polyphonic spaces for critical dialogue about the pasts and the futures. Acknowledging and addressing the conflicts and challenges of the present, they hold artefacts and specimens in trust for society, safeguard diverse memories for future generations and guarantee equal rights and equal access to heritage for all people.

Museums are not for profit. They are participatory and transparent, and work in active partnership with and for diverse communities to collect, preserve, research, interpret, exhibit, and enhance understandings of the world, aiming to contribute to human dignity and social justice, global equality and planetary wellbeing.“

Es ist offensichtlich, dass die neue Museumsdefinition die tiefgreifenden Veränderungen der Institution „Museum“ berücksichtigt und zukunftsweisend ist. Es bleibt die Frage offen, nach welcher Museumsdefinition sich der Deutsche Museumsbund orientiert hat, als es den neuen Leitfaden „Professionell arbeiten im Museum“ von Ende 2019 herausgebracht hat? Leider unter der bisherigen Adresse – (https://www.museumsbund.de/wp-content/uploads/2019/12/dmb-leitfaden-arbeiten-online.pdf) – nicht mehr einsehbar, aber als Echo erwähnt in dem offenen Brief des Bundesverbandes freiberuflicher Kulturwissenschaftler vom 10. Januar 2020 – https://www.b-f-k.de/pdf/pdf2020/protestbrief-dmb-10-01-2020.pdf.

Die nächste Debatte ist für den 20. März 2020 in Hamburg, im Museum der Arbeit angekündigt. Vgl. https://icom-deutschland.de/de/component/content/category/11-veranstaltungen.html

Collage van uitgeknipte prenten

Heute habe ich in verschiedenen Bilddatenbanken der Welt nach Collagen Ausschau gehalten, die ich hier gerne besprechen würde. Die interessantesten und die schönsten sind nicht gemeinfrei, so dass ich mir etwas überlegen muss, um sie trotzdem zu zeigen. Sicher kann ich nur meinen Kommentar hier posten und mit einem Link zur Abbildung schicken. Wäre das aber in Ordnung? Ich weiß es nicht, ich hätte es lieber, wenn ich die Collage auch gleich hier posten könnte.

Bei diesem Anlass habe ich erfahren, dass Collagen nicht erst seit Picasso existieren, sondern schon viel früher erstellt wurden. Über www.europeana.eu habe ich Collagen im Rijksmuseum aus dem Zeitalter des Barock entdeckt. Aus Stichen ausgeschnittene Motive sind auf blauem Papier geklebt und ergeben so neue, sehr dekorative Kompositionen. Die Funktion dieser Blätter kenne ich noch nicht, aber bei www.zvab.com habe ich mir schon ein Buch bestellt, dass in den Metadaten der Bilder als Bibliographie angegeben ist.

Interessant ist die Tatsache, dass die Autorin des bereits bestellten Buches von 1978, „Geschnittenes Papier. Eine Geschichte des Ausschneidens in Europa von 1500 bis heute.“, Sigrid Metken (1928-2016) – laut wikipedia Ethnologin, Kuratorin und Publizistin – zusammen mit ihrem Mann, dem Kunsthistoriker und Reiseschriftsteller Günter Metken (1928-2000), und dem bekannten Kunsthistoriker Werner Spies (*1937) 1975 den Auftrag von der Menil Foundation in Houston/Texas (https://www.menil.org) erhielt, ein mehrbändiges Werkverzeichnis von Max Ernst (1891-1976) zu erarbeiten. (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Sigrid_Metken).

Die Fäden laufen so zusammen und ich bin gespannt, was ich noch auf der Suche von Collagen im digitalen und analogen Raum alles entdecken werde. Hier lade ich auf jeden Fall schon mal einige Bilder hoch, von den Collagen des Zeitalters des Barock.

Opnamedatum 2016-02-05
Opnamedatum 2016-02-05
Opnamedatum 2016-02-05

Hier auch der Link zum Rijksmuseum: https://www.rijksmuseum.nl/nl/collectie/RP-P-2015-22-18

Die Arbeiten sind aus Papier, 535 x 400 mm, und auf c. 1585-1700 datiert.

Wirre Zeiten

Am 9. und 10. Januar d.J. fand in Wien, in der Österreichischen Galerie Belvedere, eine Tagung unter dem Titel „Das Kunstmuseum im digitalen Zeitalter“ statt. Wie seit Jahren bei solchen Veranstaltungen schon üblich berichteten die Teilnehmer per Twitter von der Tagung und hielten so die Community auf dem Laufenden mit den neuesten Vorträgen zum Thema. Weil die Sprache von Twitter – nach eigener Einschätzung – etwas kryptisch ist, konnte ich mich mehr schlecht als recht über die Tagung informieren. Schlußfolgerung war: entweder man ist dabei, oder man lässt es bleiben, sonst versteht man – wenn überhaupt – nur die Hälfte.

Auf jeden Fall, war einer der Teilnehmer, der twitterte, Max Westphal, @_omwo, und ich versuchte, dem zu folgen. Seinen Beitrag schloss er am 9. Januar, nach dem Vortrag von Prof.Dr. Holger Simon mit dem Satz: „Letztendlich: für mehr Gelassenheit bei der Orientierung im stets wirren digitalen Zeitalter.“ Mir gefiel dieser Satz, der viel über die Zeit aussagt, in der wir uns befinden, und es gelang mir, ihn im Nachhinein auf Twitter wiederzufinden und per Tweet zu sichern.

Er sagt alles, auch über einen Beginn der Anwesenheit im Netz, so wie zum Beispiel mit diesem Blog. Man meldet sich an, man zahlt verschiedene Gebühren, man schreibt hinein in die Leere, oder in einen Raum, in dem potentiell alle anwesend sind und keiner und man versucht, irgendwie mit den Ereignissen auf dem Laufenden zu bleiben und es gelingt nur sehr bedingt. Alles, was man heute unternimmt, muss irgendwie mit dem digitalen Netz in Verbindung sein.

Dabei spielt sich noch sehr viel im analogen Raum ab. Wie beide auf einen Nenner zu bringen, ist ein Rätsel, aber gewiss ist, dass Gelassenheit hilft. Man kann nicht mehr lückenlos alles berücksichtigen, vieles läuft parallel und man erfährt es nur per Zufall. So fand ich es sehr interessant, dass während ich an dem Blog souvenir & papier bastele, in London, an der Royal Academy of Art, eine Ausstellung zu Pikasso und Papier stattfindet. Es sind viele Collagen dabei und andere Schnittarbeiten, die ihn mit Sicherheit faszinierten.

Irgendwie bleiben die wichtigen Themen in der Kunst (wie im Leben) immer die gleichen und trotz des Irrens durch digitale und analoge Räume findet man sie immer wieder neu.

Vom 25. Januar bis 13. April für alle, die Interesse daran haben: https://www.royalacademy.org.uk/exhibition/picasso-and-paper