In Zeiten der Coronakrise…

… bin ich nicht mehr dazugekommen, neue Beiträge zu erstellen. Es ist im Moment so viel in den sozialen Medien los und man hat alle Hände voll zu tun, um informiert zu bleiben. Es ändert sich viel in der digitalen Welt und die Neuerungen bei den Museen vor allem sind beträchtlich.

Ich habe eine Collage (1922) von László Moholy-Nagy (1895-1946), die mir interessant schien, von Wikimedia Commons kopiert. Ich habe nicht alle Informationen zu dem Bild, aber es ist offensichtlich zum Thema der deutschen Inflation von 1914 bis 1923 entstanden. Eine aufmerksame Betrachtung lohnt sich, um den Diskurs des Autors zu verfolgen.

Der Künstler hat auf einem schwarz-weißen Hintergrund Fragmente von wertlosem Papiergeld zusammengestellt. Die Worte „Mark“, „Milliarden“, „Tausend“, „ohne“, Million“, „Geld“, „Reichsba(nk)“und die Zahl „25“ sind deutlich erkennbar. Der Kopf und die Krallen eines Greifvogels (Adler?) treten in der oberen Hälfte zum Vorschein als eiziges figuratives Element. Sie überschneiden die schwarze Silhoutte eines Mannes mit Hut, der aus der unteren Hälfte des Bildes herauschgeschnitten und seitenverkehrt angebracht zu sein scheint. An der Schulter der weißen Figur – ein kleiner, grauer Vogel im freien Fall. Eine Architekturplastik in schwarz-weiß ergänzt in der rechten oberen Hälfte die geometrische Anordnung einiger Wörter. Es ist das einzige „Gewicht“ der Collage. Wie Flicken eines Kleidungsstücks bedecken die Fragmente mit der Zahl „25“ den Mantel des dunklen Mannes und fallen über die helle Silhoutte zum unteren Rand des Bildes. Die detaillose, schwarze Umrissfigur auf weißem Hintergrund bringt ein geheimnisvolles und zugleich bedrohliches Element in die Komposition. Ein Händler vielleicht auf dem Schwarzmarkt von damals? Auf jeden Fall bringt seine Position mit der Schwere oberhalb der leichteren, weißen (und zugleich leeren) Figur das Gleichgewicht des Ganzen ins Schwanken. Nichts scheint die Ausschnitte zusammen bringen zu können, nichts die Flüchtigkeit und damit die Unsicherheit in diesem Bild aufzuhalten.

Zur Digitalisierung

Anfang der 2000er Jahre hatte ich das Glück in München an der Universität bei einem Professor zu studieren, der sich sehr für die Digitalisierung einsetzte und es heute noch tut. Ich habe lange Zeit damit gehadert und war auch nicht so entschlossen, mir diesen Bereich unseres Alltags anzueignen, muss aber im Nachhinein zugeben, dass es eine große Chance war, damit vertraut zu werden. Auch wenn ich es nicht wollte, ist vieles „hängen geblieben“ und ich kann heute wieder einsteigen, die Erneuerungen nachvollziehen, selber einiges dazu lernen.

Einen wichtigen Satz, den ich mir von meinem Doktorvater merkte, war, dass die Digitalisierung auch den analogen Raum voranbringt. Digital und analog schließen sich demzufolge nicht aus, sondern steigern sich gegenseitig. Diese Erfahrung habe ich von Anfang an gemacht und sehe heute auch meine Arbeiten in der Technik der Collage zum Teil als Folge der Auseinandersetzung mit der Digitalisierung. So oft und so viel ich zum Laptop und zum Internet zurückkehre, umso mehr zieht es mich dahin, mich mit konkretem Material, mit Bildern und Formen zu arbeiten.

Ich habe noch nie Collagen am Computer erprobt, aber die Leichtigkeit mit der man digital Bilder zersetzen, verändern, zusammenstellen kann, habe ich erfahren. Zugegebenermaßen fehlt mir dabei die Kontrolle über die Farben und Formen. So leicht, wie etwas auf dem Bildschirm entsteht, ist es auf der Leinwand oder auf Karton nicht. Der Widerstand der Dinge im analogen Raum ist mir bewusster und wichtiger geworden. Wahrscheinlich wäre ich ohne diese Erfahrung nicht auf den Gedanken gekommen Fotos in Collagen zu verarbeiten, das Ganze in Details zu zerlegen und die einzelnen Fragmente, wie eigenständige Blöcke zu betrachten und neu zusammen zu setzen.

Was ich in meinen Collagen erprobe, ist nicht das Fließende, Harmonische und Dekorative, sondern das Gegenständliche, der Bruch, das neue Zusammenspiel der Formen und Farben. Vielleicht lässt sich das auch im digitalen Raum erzielen oder etwas anderes, was von dieser Phase meiner Arbeit weiterführt. Mit Sicherheit werde ich es erproben, das Fragment, den Stilbruch in neue Erscheinungsformen zu bringen. Die Digitalisierung hat erst richtig angefangen und wartet darauf, neue Wege zu gehen auch oder vor allem mit Künstlern.