Architektur in Collagen

Im vergangenen Jahr habe ich eine Serie mit romanischer Architektur aus Köln in Collagen begonnen. Intressant schien mir, die einzelnen Elemente, die die Romanik ausmachen, aus dem Komplex zu nehmen und in anderer Zusammensetzung im Kontext zu lassen.

Zugleich wollte ich die Umgebung dieser Kirchen festhalten und habe mehrere Elemente aus der Nachbarschaft mit in die Collagen eingebaut. Ein Wochenmarkt mit vielen Blumen bei St. Aposteln, der Rhein bei St. Maria in Lyskirchen, der ehemalige Klosterhof bei Groß St. Martin.

Was man auf jeden Fall sehen kann, ist, dass die Romanik im Rückblick schwer zu Isolieren ist. Sie wurde von späteren Bauphasen verändert und coexistiert mit Gotik, Renaissance und Barock. Es sind spannende Dialoge zweischen Architekturelementen entstanden. Blendbogen, Rundbogenfries, Würfelkapitell, Vierpassfenster, Überfangbogen, Tonnengewölbe, Zwerggalerie und halbrunde Gurtbogen existieren zusammen mit Netzgewölbe, Spitzbogen und Kreuzrippengewölbe.

Die Erstellung der Collagen war eine Gelegenheit, mich an die Kölner Architektur der Romanik zu erinnern, die ich während meines Studiums der Kunstgeschichte an der Universität kennengelernt habe.

Groß St. Martin, Köln, 2019
St. Aposteln, Köln, 2019
St. Maria Lyskirchen, Köln 2019
St. Severin, Köln, 2019
St. Ursula, Köln, 2019

Für eine umfassende Führung durch die 12 romanischen Kirchen Kölns empfehle ich die App von Pausanio: https://pausanio.com/projekt/12-romanische-kirchen/


	

Deutsche Momentaufnahmen im Februar 2020

Der Alltag meiner Blogbeiträge wurden letzte Woche von zwei Ereignissen eingeholt, die einer Momentaufnahme bedürfen.

Das eine betrifft das Land Thüringen, das einen Ministerpräsidenten aus der FDP mit den Stimmen der AfD aufgestellt hat. Der Kandidat namens Thomas Kemmerich ist unter großem Protest von allen Seiten der demokratischen Gesellschaft ein Tag später zurückgetreten. Es werden mit großer Wahrscheinlichkeit Neuwahlen ausgeschrieben werden.

Wie diese Katastrophe zustande kommen konnte, ist mir ein Rätsel, trotz der zahlreichen Stellungnahmen von Politiker, die diesen Sachverhalt zu erklären versuchten. Ein Post auf Twitter von @HolgSimon schien mir interessant, weil es den historischen Aspekt beleuchtete: „Nahezu auf den Tag genau vor 90 Jahren wurde mit der Baum-Frick-Regierung in #Thüringen die erste deutsche Landesregierung unter Beteiligung der NSDAP gewählt. Wie geschichtsvergessen muss man sein. #WehretdenAnfaengen“. Den Post von @ralphruthe habe ich behalten, weil es in der Art der Cartoons eine Sprechblase mit einer Frage an die immer aktuelle IT-Abteilung veröffentlicht: „Hallo, IT-Abteilung? Was mache ich, wenn sich ein altes Programm von selbst wieder startet?“

Das zweite Ereignis ist das sich ausweitende Streitgespräch über die neue Museumsdefinition des ICOM.

Vor einigen Tagen, am 30. Januar 2020, fand in Berlin im Jüdischen Museum eine Debatte zur neuen Museumsdefinition des ICOM statt. Danach erschienen in verschiedenen Medien mehrere Beiträge zum Streitgespräch unter anderem in der FAZ von Patrick Bahners – https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/streit-um-den-museumsbegriff-im-weltverband-der-museen-16613815.html -, in der Die Welt von Marcus Wöller – https://www.welt.de/kultur/kunst/plus205570509/Bunkermentalitaet-Wie-die-deutschen-Museen-den-Anschluss-verlieren.html – und von Anabel Roque Rodríguez im Magazin von thurgaukultur.ch – https://www.thurgaukultur.ch/magazin/wozu-brauchen-wir-heute-noch-museen-4278.

Die alte und aktuelle Definition von Museum stammt von 2007, von der 22. Generalkonferenz des ICOM in Wien und lautet:

„A museum is a non-profit, permanent institution in the service of society and its development, open to the public, which acquires, conserves, researches, communicates and exhibits the tangible and intangible heritage of humanity and its environment for the purposes of education, study and enjoyment.“

Die neue Definition wurde im vergangenen Jahr 2019 in Kyoto (25. ICOM Generalkonferenz) und besagt:

„Museums are democratising, inclusive and polyphonic spaces for critical dialogue about the pasts and the futures. Acknowledging and addressing the conflicts and challenges of the present, they hold artefacts and specimens in trust for society, safeguard diverse memories for future generations and guarantee equal rights and equal access to heritage for all people.

Museums are not for profit. They are participatory and transparent, and work in active partnership with and for diverse communities to collect, preserve, research, interpret, exhibit, and enhance understandings of the world, aiming to contribute to human dignity and social justice, global equality and planetary wellbeing.“

Es ist offensichtlich, dass die neue Museumsdefinition die tiefgreifenden Veränderungen der Institution „Museum“ berücksichtigt und zukunftsweisend ist. Es bleibt die Frage offen, nach welcher Museumsdefinition sich der Deutsche Museumsbund orientiert hat, als es den neuen Leitfaden „Professionell arbeiten im Museum“ von Ende 2019 herausgebracht hat? Leider unter der bisherigen Adresse – (https://www.museumsbund.de/wp-content/uploads/2019/12/dmb-leitfaden-arbeiten-online.pdf) – nicht mehr einsehbar, aber als Echo erwähnt in dem offenen Brief des Bundesverbandes freiberuflicher Kulturwissenschaftler vom 10. Januar 2020 – https://www.b-f-k.de/pdf/pdf2020/protestbrief-dmb-10-01-2020.pdf.

Die nächste Debatte ist für den 20. März 2020 in Hamburg, im Museum der Arbeit angekündigt. Vgl. https://icom-deutschland.de/de/component/content/category/11-veranstaltungen.html

Collage van uitgeknipte prenten

Heute habe ich in verschiedenen Bilddatenbanken der Welt nach Collagen Ausschau gehalten, die ich hier gerne besprechen würde. Die interessantesten und die schönsten sind nicht gemeinfrei, so dass ich mir etwas überlegen muss, um sie trotzdem zu zeigen. Sicher kann ich nur meinen Kommentar hier posten und mit einem Link zur Abbildung schicken. Wäre das aber in Ordnung? Ich weiß es nicht, ich hätte es lieber, wenn ich die Collage auch gleich hier posten könnte.

Bei diesem Anlass habe ich erfahren, dass Collagen nicht erst seit Picasso existieren, sondern schon viel früher erstellt wurden. Über www.europeana.eu habe ich Collagen im Rijksmuseum aus dem Zeitalter des Barock entdeckt. Aus Stichen ausgeschnittene Motive sind auf blauem Papier geklebt und ergeben so neue, sehr dekorative Kompositionen. Die Funktion dieser Blätter kenne ich noch nicht, aber bei www.zvab.com habe ich mir schon ein Buch bestellt, dass in den Metadaten der Bilder als Bibliographie angegeben ist.

Interessant ist die Tatsache, dass die Autorin des bereits bestellten Buches von 1978, „Geschnittenes Papier. Eine Geschichte des Ausschneidens in Europa von 1500 bis heute.“, Sigrid Metken (1928-2016) – laut wikipedia Ethnologin, Kuratorin und Publizistin – zusammen mit ihrem Mann, dem Kunsthistoriker und Reiseschriftsteller Günter Metken (1928-2000), und dem bekannten Kunsthistoriker Werner Spies (*1937) 1975 den Auftrag von der Menil Foundation in Houston/Texas (https://www.menil.org) erhielt, ein mehrbändiges Werkverzeichnis von Max Ernst (1891-1976) zu erarbeiten. (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Sigrid_Metken).

Die Fäden laufen so zusammen und ich bin gespannt, was ich noch auf der Suche von Collagen im digitalen und analogen Raum alles entdecken werde. Hier lade ich auf jeden Fall schon mal einige Bilder hoch, von den Collagen des Zeitalters des Barock.

Opnamedatum 2016-02-05
Opnamedatum 2016-02-05
Opnamedatum 2016-02-05

Hier auch der Link zum Rijksmuseum: https://www.rijksmuseum.nl/nl/collectie/RP-P-2015-22-18

Die Arbeiten sind aus Papier, 535 x 400 mm, und auf c. 1585-1700 datiert.