(Carl Spitzweg, Kirschenmarmelade, 2. Hälfte 19. Jhdt. in: Wescher 1968, S. 15.)
Eine ganze Reihe richtiger Collagen aber kennen wir von Carl Spitzweg (1808-1885), der Apotheker war, ehe er Maler wurde, und der sich in seinem eigenbrötlerischen Dasein lebhaft auch für die Geheimnisse der Kochkunst interessierte. Daheim und auf Reisen notiert er die Rezepte aller möglicher Spezialgerichte, und er macht seiner Nichte Lina Spitzweg eine Sammlung von Rezepten zum Geschenk, die er mit Collagen illustriert. Er verwendet dazu ausgeschnittene Holzschnittillustrationen der ‚Fliegenden Blätter‘ und alte Stahlstiche, ergänzt sie durch eigene Zeichnungen und malt gewisse Partien, die er ins Licht rücken will, mit Aquarellfarben an. Er entnimmt die Bildelemente den Namen der Gerichte, die er zerlegt und verdreht, um die Wortspiele in Bildspiele zu verwandeln. (…)
Zu den hübschesten Blättern gehören die Illustrationen der Kirschen- und Erdbeermarmelade, auf denen die Gefäße mit den Früchten auf hellen und dunklen marmorierten Papieren kleben, in Spitzwegs Mundart ‚Marmelpapiere‘ genannt, auf die ihn die sprachliche Assoziation mit Marmelade brachte. Die aus Witz und Zeitvertreib hervorgegangenen Collagen sind nicht datiert, aber aus inhaltlichen Angaben ergibt sich, dass sie zwischen 1850 und 1875 entstanden sein müssen. (Wescher 1968, S. 14-16.)
