Als ich zu Beginn dieses Jahrhunderts für fünf Jahre nach München kam, besuchte ich oft die Residenz, ein großes, ansehnliches Museum im Zentrum der Stadt. Neben dem Antiquarium (1569-31) und den Reichen Zimmern (1726-29 und 1730-37) war ich von den Gobelins der Steinzimmer (1612-17) beeindruckt. In meinem Gedächtnis waren die Eindrücke aus dem Museum immer dieser 3. Bauperiode der Residenz, der unter Maximilian I. (1573-1651), untergeordnet, obwohl recht viele Räume aus unterschiedlichen Bauzeiten sehenswert sind.
Vor zwei Wochen besuchte ich nach langer Zeit wieder München und begab mich auf einen Nachittags-Rundgang durch die Residenz der Wittelsbacher. Das Wiedersehen mit den bekannten Zimmern ließ mich viele Fotos machen und sie – wieder zu Hause – zu Collagen erarbeiten. Sie haben diese dunkle und zugleich warme Atmosphäre der Räume, die ich vor mehr als zwanzig Jahren so gewinnend empfand. Die flämischen Meister dieser Wandteppiche waren berühmt für ihre Kompositionen und der Farbgebung der Gobelins.



„Bedeutendster Beitrag Maximilians die nördlich des Jägergaßl 1612-18 errichtete regelmäßige Vierflügelanlage Maximilianische Residenz um den Kaiserhof unter Einbeziehung von Damenstock und Herzogkasten“ steht es im einschlägigen Stadtführer und Handbuch „München – Kunst & Kultur“ des Ludwig-Verlags (hier in der 16. Auflage von Biller, J.H. und Rasp, H.-P. im April 2004, S. 269). „Im 2. Weltkrieg weitgehend zerstört, ausgenommen die 1616 datierte Kaisertreppe – wohl erste monumentale Treppenanlage in Deutschland, vielleicht durch genuesische Palastarchitektur (Palzzo Parodi oder Palazzo Cattaneo, 1567-81 bzw. Anfang 17. Jh.) angeregt. – Wiederinstandsetzung seit 1973: Südtrakt mit Hofdamenstock (1600-1603) und Altem Herkulessaal, heute Max-Joseph-Saal; im Westtrakt die Steinzimmer (1612-17), im Osttrakt die Trierzimmer (um 1616; später nach dem hier wiederholt wohnenden Kurfürsten von Trier benannt); im Nordtrakt der 1977-85 rekonstruierte Vierschimmelsaal und der Kaisersaal (1611-16); dieser erst nach Besuch von Kaiser Leopold 1673 so genannt).“
