Herta Weschers „Die Collage. Geschichte eines künstlerischen Ausdrucksmittels“ (M.DuMont Schauberg, Köln 1968) ist ein Standardwerk und eines meiner liebsten Bücher. Von Zeit zu Zeit werde ich aus diesem Buch zitieren.
„Collagen und Materialbilder haben eine lange Ahnenreihe, und die ältesten Beispiele, die wir kennen, gehören zu den raffiniertesten. Vermutlich im 12. Jahrhundert sind die japanischen Kalligraphen dazu übergegangen, die ihnen anvertrauten Werke der Dichter auf Bögen zu schreiben, die mit zartfarbigen Papieren beklebt waren. Die Kompositionen bestehen aus unregelmäßigen Flächenformen, die aneinander gefügt und mit Blumenmotiven, winzigen Vögeln und Sternchen aus Gold- und Silberpapier überstreut sind. Die gerissenen oder ausgeschnittenen Konturen sind mit dem Pinsel in Wellenlinien übertuscht, die Berge, Flüsse und Wolken andeuten. Von diesen Unterlagen wählte der Kalligraph diejenige aus, die dem Geist der Dichtung am besten entsprach, die er in eleganten Schriftzügen darauf eintrug. Zu den berühmtesten Manuskripten dieser Art gehört das ‚Iseshu‘ vom Beginn des 12. Jahrhunderts, eine Sammlung der aus je 31 Silben bestehenden ‚Waka‘-Verse der Dichterin Ise, die im 10. Jahrhundert lebte.“ (Wescher 1968, S. 7)
(Japanische Collage, Manuskript, 12. Jh. in: Wescher 1968, S. 9)

